Vertrauen und Geduld oder alle Wege führen nach Rom

Bernice Zieba, Jan Zieba, Homeschool Blog, Homeschooling, Alle Wege führen nach Rom

Es gibt Momente im Homeschool-Leben, da denke ich: was tun wir da, ist es überhaupt vernünftig oder richtig…? Möchte mein Kind lieber zur Schule oder wäre ein Schulbesuch gar besser für sie? Vor wenigen Wochen hatte ich wieder so einen Moment des Zweifels. Doch gerade dann, als ich am stärksten zweifelte, bestätigte mir meine Tochter, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Alles was ich brauche ist Vertrauen und Geduld. Bei dieser Gegebenheit, ging mir auf, wie meine Tochter (mittlerweile 4. Klasse) zuhause die Möglichkeit hat in ihren Fähigkeiten und Interessen zu blühen. Ich weiss nicht mehr genau, was es war, aber ich konnte ihr zusehen, wie sie mit Freude und Eifer selbstständig und interessiert in einem „Lernfeld“ eintauchte.

Wir Homeschooler sind doch irgendwie auf gewisse Reaktionen unserer Kinder sensibler eingestellt, weil wir gegen den Strom schwimmen und uns eventuell mehr exponiert fühlen. Deshalb muss eine Verstimmung des Kindes am Morgen oder irgend ein anderes auffälliges Benehmen nicht sogleich mit einem „Schul-Mangel“ (das genauso oder vermehrt bei Schulkindern vorkommt) gedeutet werden.

Vertrauen und Geduld sind Eigenschaften die Eltern allgemein brauchen, die aber Homeschool-Eltern noch mehr kennenlernen und anwenden sollten. Wer Zuhause lernt, der braucht sich nicht nach dem Tempo des Lehrers oder der Klasse zu richten. Das ist ein Privileg aber auch etwas, das man vielleicht als Homeschool-Eltern, zumindest in der Anfangsphase leicht vergisst. Das Homeschool-Kind hat einen eigenen Rhytmus, ein eigenes Lerntempo und eigene Interessen und Stärken. Und da es zuhause lernt, hat das Homeschool-Kind in der Regel die Möglichkeit, sich freier zu entfalten. Diese Möglichkeit können wir voll nützen! Es muss nicht alles so erfüllen, als würde es im Klassenzimmer sitzen. Zuhause können wir Eltern uns mehr auf das Kind einlassen, uns mehr nach ihm richten. Das braucht manchmal Geduld und Vertrauen.

Wenn das Homeschool-Kind viel und gerne liest, lass es zu! Schreibt es momentan nicht gerne oder hat einfach eine Blockade? Gib ihm Zeit! Früher oder später, wird sich die Blockade von alleine lösen. Hat es Schwierigkeiten mit Mathe? Dann versuch es mit einem neuen Ansatz. Wechsle das Buch, spiele Schach oder finde ein nützliches Computerprogramm. Das lernende Kind muss nicht mit Lernmethoden geplagt werden, die ihm nichts ausser Frust und Ärger bringen. Das Homeschool-Kind sollte aber gefördert werden. Und dazu gibt es unzählige Wege! Die Kreativität und Fantasie der Eltern, die ihre Kinder ja gut kennen, können beim Homeschooling nun genutzt werden.

Jedes Kind ist einmalig, jede Familie ist einmalig. Es gibt kein Rezept, das für alle genau passt. Es gibt so viele verschiedene „Homeschool-Wege“ wie es verschiedene Familien gibt! Und wie man so schön sagt, „alle Wege führen nach Rom“.

6 Kommentare

  1. Karin Kündig Springer 26. September 2013 um 23:50

    Bernice, danke für deine Einblicke. Ich fühle mich oft schuldig, wenn die Kinder offensichtlich mit einem Lehrmittel Probleme haben und ich keine Zeit oder Ideen für einen anderen Ansatz finde. Aber langsam merke ich: solang ich mich nicht aufrege, sondern auf ihrer Seite bleibe, muss gar nicht immer alles perfekt auf meine Kinder abgestimmt sein. Sie lernen, dass man blöde Situationen durchstehen und nächstes Mal einen besseren Ansatz suchen kann… Charakterstärke, oder? 🙂

  2. Zweifel, ob man etwas betreffs Kindern gut macht oder nicht, die richtigen Grundsatzetscheidungen getroffen hat, müssen bei guten Eltern sein, aber zu dem richtigen Zeitpunkt und nicht 365 Tage im Jahr. Ich denke, dass diese Frage am Schuljahresanfang und am Ende unbedingt stehen sollte. Geht ein Kind in die Schule und fühlt sich gut dabei und auch die Lehrer lehren das richtige Wissen, dann sollte es so bleiben für das Kind. Kinder brauchen Regelmäßigkeit. Schlimm wäre meiner Meinung nach, wenn man ein Jahr Homeschooling und ein Jahr Schule abwechseln betreibt oder gar noch häufiger wechselt. Dann kann ein kleiner Mensch schnell mit den erlernten eigenen Lernmethoden durcheinander geraten und es wird dann sehr schwierig, ihn zum Lernen überhaupt zu begeistern.

    Ein Beispiel aus meinem Leben, wie man jemanden motivieren kann: In den ersten Schulstunden nach den Ferien wurde vom Lehrer (Schule) immer gefragt, was man in den Ferien getan hat („What did you do on your holidays?“). Das kam in allen Fächern vor – schon beim zweiten Lehrer am Tage war das total langweilig. In den Sprachen sollte man das dann auch noch als Text aufschreiben – ätzend!
    Lösungsvorschlag: Einen Text über die Ferien in der Muttersprache altersgerecht entweder gemeinsam erarbeitet oder allein aufschreiben lassen. Hausaufgabe: auswendig lernen
    2. Tag: mündlicher freier Vortrag des Textes vor den andern Kindern (natürlich unbenotet); Übertragen dieses Textes in die Fremdsprachen.
    Ergebnis: Ein Standarttext wurde erlernt, eingeprägt und kann bei den nächsten Ferien oder in der nächsten Klassenstufe erweitert werden.
    Ähnliches ist bei anderen Themen machbar. Zur Matura/Abitur hat man dann viele eigene korrekte Texte im Kopf, spart sich bei Prüfungen viel Denkarbeit und kann sich daher auch auf andere Sachen, wie z.B. auf die Rechtschreibung, konzentrieren.
    Weiterhin erlernt das Kind standartisierte Sätze. Spätestens als Erwachsener kann er diese dann so kombinieren, wie es der Sprechakt erfordert sowie sicher erweitern, da er weiß, dass er in der Fremdsprache korrekt unterwegs ist.

    Eine Bemerkung noch für die studierten Pädagogen unter den Lesern: Diese von mir vorgestellte Methode ist aus der Pattern/Drill-Methode des Militärs der 1950ger Jahre auf die Jetztzeit abgeleitet.

  3. Bernice,

    I agree! Trust and patience… and creativity. Yes, there’s more than one way to help a child learn. When a child becomes frustrated (and a parent!) nothing is achieved.

    Thank you so much for visiting my blog. I always love swapping comments with you.

    God bless!

  4. Hallo Bernice! Super! Da kann ich nur beipflichten! Gerade nach den Ferien muss man oft einen Schritt zurückgehen, um das Kind wieder dort abzuholen, wo es vor den Ferien stand. Die Dampflok muss auch erst langsam eingeheizt werden und Wasser tanken, dann kommt sie wieder voll in Fahrt! Bei uns wird deshalb auf Wunsch unseres Sohnes in der ersten Stunde zur Zeit Musik gespielt: Klavier und Gitarre und dazu singen! Dann erst kann’s richtig losgehen! 🙂 E liebe Gruess

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