Mein Vortrag am Bildungstag in Lyss

Bildungstag, 2016

Am 16. April 2016 fand der dritte Bildungstag in Lyss statt. Meine 12-jährige Tochter und ich stiessen am Nachmittag dazu.

Ich hielt einen halbstündigen Vortrag über Bildung zu Hause.

Hier ist der grösste Teil des Vortrags auf dem Video.

Für alle, die der schweizerdeutschen Sprache nicht mächtig sind, hier die wesentlichen Punkte:

Homeschooling aus praktischer Sicht

  • Ich stelle unsere 7 Kinder im Alter von 18, 15, 12, 8, 5, 3 und 11 Mt. vor.
  • Ich erzähle, wie wir vor etwa 14 Jahren schon die Idee hatten, schulfrei zu bleiben und wie wir dann 2012 damit begonnen haben.
  • Ich erzähle auch ein bisschen von unserer Erfahrung mit dem Schulsystem, durch das unsere beiden ältesten Töchtern (Sekundar und Bezirksschule) gegangen sind.
  • Wir gingen mit Homeschooling einen Wandel durch, haben diverse Ansätze probiert, sammelten eigene Erfahrungen. Dazu einige Überlegungen:
  • Es liegt in der Natur der Eltern, dass sie ihren Kindern gerne etwas beibringen oder weitergeben.
  • Mit Homeschooling wird einem bewusster, dass alles Lernen ist. Lernen ist mehr, als was in der Schule unterrichtet wird.
  • Alles ist miteinander verwoben. Getrennte Lektionen sind nicht nötig, alle „Fächer“ fliessen ineinander über.
  • Wichtig ist, dass man als Eltern offen und lernbereit bleibt.
  • Als Mutter bilde ich mich ständig (autodidaktisch) weiter.
  • Eine Kultur des Lernens schaffen: alles, was uns umgibt ist Lernen. Kinder lernen ständig. Wir können sie im Lernen unterstützen, helfen ihre Talente zu entfalten, sie begleiten, Anregungen geben, Materialien zur Verfügung stellen. Manchmal kann das auch heissen, sie zu unterrichten.
  • Mir ist wichtig, dass sie lesen und schreiben können und sich eine Grundlage in der Mathematik aneignen.
  • Alles andere ist frei – sie können vieles zusammen mit mir oder selbstständig dazu lernen.
  • Wer lesen kann, kann alles lernen, denn wer liest, kann sich über alles informieren, was er wissen muss oder möchte.
  • Wenn ein Kind ein Ziel vor Augen hat, macht das Lernen Sinn. Beispiel: meine Tochter möchte Pilotin, vielleicht sogar Astronautin werden. Dafür muss sie gut in Mathe sein. Das weiss sie auch und lernt auch selbstständig, weil sie das Ziel vor Augen hat.
  • Als Mutter muss ich nicht alles schon im Kopf haben, um das Kind zu Hause zu bilden. Ich brauche kein Lehrerpatent.
  • Ein Kind kann vieles selber lernen und die Eltern dabei überflügeln. Das ist auch richtig so.
  • Den jüngeren Kindern viel vorlesen. Dabei auf eine gute Atmosphäre achten. Wenn den Kindern eine einfache Geschichte aus einem Buch vertraut ist, ist es dann nur noch ein kleiner Schritt, bis sie selber lesen.
  • Ich fühle mich erfüllt, wenn ich mit meinen Kindern lernen darf. Z.B. Geschichte durchnehme. Zeit für mich ergibt sich, wenn Kinder längere Zeit beschäftigt sind und mich nicht gerade brauchen.
  • Ein strenger Stundenplan oder Lehrplan ist nicht so nötig, wie in der Schule, wo man eine ganze Schulklasse im Griff halten muss. Lernen zu Hause ist ganz anders. Vieles läuft informell ab – Mathe, Sprache und anderes lernen Kinder mithilfe von Arbeitsheften aber auch beiläufig, aus dem Alltag heraus. Es ist ein ganzheitliches, greifbares Lernen, „hands on learning“.
  • Zeit als Familie zusammen zu verbringen, ist sehr wertvoll und wichtig. Eines der schönsten Momente ist am Morgen erwachen und einfach mit den Kindern da sein und langsam in den Tag hineinwachsen.
  • Kinder brauchen keine Schule, um zu lernen. Alles kann man ohne Schule lernen – vor allem heute, wo jeder Zugang zu Büchern, Internet etc. hat.
  • Kinder brauchen jedoch Gemeinschaft. Die erste und wichtigste Gemeinschaft ist die Familie.
  • Jedes Kind ist anders und lernt anders (Beisp.: ein Kind liest viel und oft, ein anderes ist den ganzen Tag mit Lego beschäftigt). Bei der Bildung zu Hause kann ich als Mutter darauf Rücksicht nehmen.
  • Das Schulsystem wird sich später nicht für dein Kind einsetzen oder interessieren, Eltern schon.
  • Ich gebe uns keine Label, wir machen einfach das, was zu unserer Familie passt. Kinder lernen 80-90% selbstständig. Der Rest unter meiner Anleitung.
  • Sich nicht mit anderen HS-Familien vergleichen („andere sind besser, perfekter etc.“) Einfach das tun, was genau zur eigenen Familie passt.
  • Alles, was aus der Liebe kommt, wird gut.
  • Auf das Herz hören, kombiniert mit dem Verstand. Andere Meinungen sind nicht so wichtig. Wichtig ist, als Mutter und Vater auf das eigene Kind achten, herausspüren, was richtig ist.

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