Homeschoolparadies

Cambridge Cambridge ist berühmt für Universitäten, Museen und Sprachkurse

Cambridge, ein Ort des Lernens

Unser neues Zuhause ist in der Nähe von Cambridge. Ich bin einer Gruppe für Home Educators aus der Region beigetreten. Über 250 Familien gehören dazu. Nach der Schweiz kommt mir Cambridge vor wie ein Eldorado für Homeschooler; in der gesamten Schweiz existieren nur etwa doppelt so viele Homeschool-Familien, wie hier in dieser kleinen Region Englands.

Cambridge ist ja sowieso ein Ort des Lernens. Sie ist bekannt für Universitäten, Museen und Sprachschulen. In dieser Stadt entstand die erste Schule ganz Englands: in der ehemals katholischen Schule Peterhouse. Bei eines der zahlreichen Colleges, trafen wir auf ein Schild auf dem stand „England’s first classroom“.

In den E-Mails, die täglich eintreffen, finde ich eine reiche Auswahl an Aktivitäten für eine Bildung Zuhause. Das Angebot reicht von Aviatik-Kursen, Sportanlässen, wie Fussball und Schwimmen, bis hin zu Basteltreffen, und einfachen Austauschgruppen.

Selbst wenn ich kein Homeschool-Angebot nutze, kann ich in eine Bibliothek oder in ein Museum spazieren und finde einige (meist kostenfreie) Aktivitäten für Kinder unterschiedlichen Alters vor.

An einem Nachmittag gingen wir zur Bibliothek und trafen einen Vertreter von Wildlife Trusts. Der Naturfreund erzählte uns viele interessante Dinge über Insekten, wilde Säugetiere und die Vegetation in der Umgebung. Die Kinder gestalteten aus Chenilledraht und Folie hübsche Libellen.

Home Education

Der Gedanke, dass Kinder nicht zur Schule gehen, sondern zuhause gebildet werden (in England verwenden sie dafür den Ausdruck »Home Education«), ist in England nicht befremdlich. Das zeigte sich im Gespräch mit dem Mann von Wildlife Trusts.

„Wo geht ihr zur Schule?“
„Wir gehen nicht zur Schule“ – der Mann richtete seinen Blick auf mich:
„Aha, Sie unterrichten ihre Kinder selber … Dann findet ja gerade eine Lektion über die Natur statt!“

Und wer sagt eigentlich, dass Homeschooling nur zuhause stattfindet? Mit diesem reichen Angebot könnten wir jeden Tag ausserhalb von Zuhause verbringen. Wir treffen dabei Menschen aus allen Lebensrichtungen und lernen was wir wollen; über kleine kriechende Tiere in der Erde, über Sterne und Planeten im Weltraum und alles, was dazwischen liegt.

In dieser Woche besucht unsere 13-Jährige einen fünftägigen Kurs über Aerospace. Die anderen Teilnehmerinnen sind alle über 14-jährig. Darunter auch Studentinnen, die in den Ferien ihr Wissen erweitern. Unserer Tochter gefällt die Atmosphäre, bei der alle am Thema interessiert sind. Sie lernt eine Menge und ist fasziniert.

Ich fühle mich hier ein bisschen wie in einem Homeschoolparadies.

Es wäre aber nicht richtig, wenn jeder erst aus der Schweiz oder aus Deutschland auswandern müsste, um diese Freiheit zu erfahren und von diesem Angebot zu profitieren.

Ich habe Hoffnung, dass sich die Schweiz und vor allem Deutschland immer mehr in diese Richtung bewegen! Was in England (und in den USA) möglich ist, sollte doch auch woanders möglich sein.

Ich wünsche allen von Herzen, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken wollen, ein solches „Homeschoolparadies“, wie ich es hier in Cambridgeshire erlebe.

 

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*