Mit neun Jahren zum ersten Mal zur Schule

Erster Schultag Erster Schultag (noch ohne Uniform)

Warum Schule, wenn Homeschooling in England paradiesisch ist?

Wieder geht ein Kind aus unserer Familie zur Schule. Anders als bei unserer 14-jährigen Tochter, war es dieses Mal meine eigene Idee, unseren neuneinhalbjährigen Jungen in eine Schule zu schicken. Was führte mich, als Kämpferin für eine freie Bildung, zu diesem Entscheid?

Bevor wir von der Schweiz nach England gezogen sind, habe ich festgestellt, dass es in England katholische Schulen gibt, bei denen nicht nur „katholisch“ drauf steht, sondern auch drin ist. Das bedeutet, dass der Glaube als lebendiger und wichtiger Teil des Lebens in den Schulalttag eingebunden ist. Das machte auf mich einen guten Eindruck und ich liebäugelte damals schon mit der Idee, unsere Kinder in eine solche Schule zu schicken.

Aus zwei wichtigen Gründen sind wir nach England gezogen. Erstens weil wir festgestellt haben, dass eine Bildung zu Hause in England freier ist. Diese Freiheit ist zu hundert Prozent eingetroffen. Ich könnte mir keine besseren Umstände vorstellen, bei denen ich meine Kinder zu Hause bilden würde. Und drei von unseren sieben Kinder sind ja immer noch Homeschooler.

Ein weiterer Grund war die Ausbildung der zwei älteren Töchter. Wir fanden, dass die Bedingungen für ihre Berufswahl in England besser aussahen. Auch das traf ein. Unsere bald 17-jährige besucht nun ab Sommer das zweite Jahr ihrer Schauspiel-Ausbildung, und die Drittälteste hat in England für sich Air-Cadetts entdeckt – eine Vorbereitung zu ihrem Traumberuf als Pilotin. Jetzt ist auch unsere älteste Tochter nach England gezogen, die nun einen Job als Pflegerin sucht.

Verbunden war ich jedoch schon immer mit England, weil es mein Geburtsland ist und Englisch meine erste Muttersprache ist.

Elternhaus und Schule sollten eine gemeinsame Basis haben

Zurück zum Schuleintritt. Unser Sohn war schon vorher im Jugendchor aktiv und besuchte die Erstkommunionvorbereitung. Das verband uns indirekt mit der katholischen Schule, die neben der Kirche steht.

Es gab aber weitere Gründe, die mich zu diesem Entscheid brachten. Ich hatte das Gefühl, dass unser Sohn mehr braucht, als das, was ich ihm zuhause anbiete: einen strukturierten Tagesablauf, konkreten Unterricht, Musikunterricht, andere Jungen etc.

Ein Kind braucht nicht unbedingt eine Schule, um zu lernen. Gemeinschaft hingegen, braucht jeder. Die erste und wichtigste Gemeinschaft ist die Familie. Als Erweiterung der Familie, sehe ich nun diese Schule – denn Elternhaus und Schule teilen die gleichen Überzeugungen.

Da unsere Grundlage der christliche Glaube und konkret die katholische Konfession ist, ist es für mich beruhigend zu wissen, dass die Schule die gleichen Grundlagen teilt.

Aber ist das überhaupt wichtig?

Ja, weil der Glaube an Gott das Fundament ist, auf dem alles aufgebaut ist. Im Glauben – und hier konkret in der katholischen Lehre – sind die wichtigsten Fragen und Antworten, auf die es im Leben drauf ankommt. Wo diese gemeinsame Basis fehlt – und das ist leider bei vielen staatlichen Schulen so – fehlt der gemeinsame Boden, auf dem Eltern und Schule zusammen aufbauen können.

Gleichzeitig herrscht an dieser Schule Vielfalt. Die Kinder stammen aus Familien aus verschiedenen Ländern der Welt. In einem Zeitungsartikel ist zu lesen, dass an dieser Schule sogar die die meisten Sprachen gesprochen werden. Katholisch heisst nicht umsonst „weltumspannend“. In der Kirche und auch an der Schule erlebt man eine Einheit in der Vielfalt.

Schuluniform und Schreiber der Woche

Als ich unseren Jungen fragte, ob er gerne in diese Schule gehen würde, antwortete er mit „Ja“. Zunächst einmal setzte ich ihn (und seine jüngere Schwester) auf die Reserveliste, ohne zu wissen, wann und ob überhaupt einmal seine Zulassung eintreffen würde. Dass er einen Platz an dieser Schule erhalten hat, ist nämlich nicht selbstverständlich.

Konfessionsschulen, wie diese, sind oft überbelegt. D.h. es können keine weiteren Schüler aufgenommen werden, da sie zu voll sind. Das liegt daran, dass im Moment in England ein Gesetz herrscht, das den konfessionellen Schulen nicht erlaubt, sich auszuweiten. Gleichzeitig besteht Hoffnung, dass dieses ungerechte Gesetzt von der jetzigen Regierung aufgehoben wird.

Da die Qualität der Schule hoch bewertet ist (in England werden alle staatlichen Schulen von Ofsted, einer staatlichen Einrichtung, geprüft), sind die Plätze begehrt und es gibt Wartelisten für Schüler, die noch nicht aufgenommen werden können.
Vor wenigen Wochen wurde unerwartet ein Platz frei, und so begann für unseren Jungen ein neuer Abschnitt im Leben.

Es ist das erste Mal, dass er zur Schule geht. Nach den ersten Tagen fand er es „nicht so schlimm“ wie erwartet und letzten Freitag wurde er als „Schreiber der Woche“ erkoren (jede Woche wird diese Auszeichnung einem Schüler verliehen, der im Schreiben besondere Leistungen erbracht hat).

Ich muss gestehen, dass ich darauf stolz war. Ein bisschen Mutterstolz regt sich auch in mir, wenn ich ihn in seiner schicken Schuluniform zur Schule bringe oder abhole. Man sieht: er gehört dazu.

2 Kommentare

  1. ….Well, well, well !

    E M Lampkin – is he really happy there, and what about the discipline, he is not used to?

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