Frühe Einschulung Ursache für psychische Probleme? / Early Schooling Cause for Mental Health Issues?

Mental Health Problem, Psychische Probleme

Jede vierte Person in England soll von einer mentalen Störung betroffen sein. Ich bin weder Ärztin noch Wissenschaftlerin, aber ich vermute einen Zusammenhang damit, dass Kinder zu früh in staatliche Institutionen abgegeben werden. 

Union Jack, British Flag

View English text below.

Als Mutter von sieben Kindern erfahre ich, wie kleine Kinder Mutter und Vater brauchen. In England werden Kinder schon mit vier oder fünf zur Schule geschickt. Ich finde, das ist zu früh! Ich habe den Eindruck, dass diese Kinder nicht selten traurig und überfordert sind, da sie einem System ausgeliefert sind, das niemals die Mutter-/Vater-Bindung ersetzen kann, welches das Kind in dem zarten Alter noch so sehr braucht. Es gibt auch Wissenschaftler die bestätigen, wie wichtig die Bindung in der frühen Kindheit ist.

Ein Defizit in der frühen Kindheit

Kleine Kinder brauchen nicht viele andere Kinder um sich herum, wie das in der Schule der Fall ist. Sie bekommen in der Schule auch nicht genügend Aufmerksamkeit, Wärme und Liebe oder Freiheit zum Spielen. Je jünger das Kind, desto wichtiger die Mutter-Kind-Bindung. Durch den frühen Schuleintritt wird diese Bindung für den grössten Teil des Tages und der Woche unterbrochen. So bleibt beim Kind ein Defizit, das sich im Erwachsenenalter möglicherweise zur mentalen Störung entwickelt.

Noch vor dem Schuleintritt geben manche Eltern ihre kleinen Kinder in Kinderkrippen oder Vorschulen ab. Leider drängen die äusseren Umstände sie dazu: In England reicht ein einzelner Arbeiterlohn meist nicht aus, um für die Familie aufzukommen, da die Wohnkosten sehr hoch sind. In solchen Fällen fühlen sich beide Eltern gezwungen auswärts zu arbeiten. Zudem lockt der Staat mit finanziellen Beiträgen für Kinderbetreuung an, damit Eltern ihre Kinder abgeben.

In der Stadt treffe ich immer wieder auf verstörte Menschen. Manche sind obdachlos und manche verbringen den Tag in der Zentralbibliothek vor einem Computer-Bildschirm. Einige reden vor sich hin und haben ihr Äusseres vernachlässigt. Sind das Menschen die zu früh der Mutter entzogen wurden? Sind das unter Anderem die negativen Folgen der frühen Fremdbetreuung und Einschulung?

Kettenreaktion, die grosse Kreise zieht

Aber das sind nicht die Einzigen mit Problemen. In unserem Quartier gibt es Leute, die die ganze Nacht die Lichter brennen lassen. Angst vor Einbrechern oder einfach vor der Dunkelheit? Etwas was sonst nur bei jungen Kindern vorkommt. Aber noch auffälliger sind überall die zahlreichen zerfallenen Beziehungen und getrennten Familien. Ist das ein Hinweis darauf, dass die Menschen immer weniger bindungsfähig sind? Eine Kettenreaktion, die ihre Ursache in der frühen Kindheit hat und immer grössere Kreise zieht?

Neun – das ideale Schuleintrittsalter?

Ich erlebe meine Kinder im Alter von vier, fünf Jahren – Schuleintrittalter in UK – noch sehr mutter-gebunden. Den ganzen Tag wollen sie mir etwas zeigen, bei mir kuscheln und an meiner Seite lernen und spielen.

Darum rate ich davon ab, Kinder im frühen Alter staatlichen Institutionen abzugeben. Aufgrund der positiven Erfahrung mit unserem Sohn, der letzten Sommer in eine katholische Schule eingetreten ist (seine sieben-jährige Schwester wollte hingegen nach einer dreiwöchigen Schnupperzeit nicht mehr zur Schule), bin ich bin sogar versucht zu behaupten, falls Schule in Frage kommt, dass neun Jahre das ideale Alter für einen Schuleintritt ist. Geniesse die Zeit noch mit deinem Kind zuhause. Bald ist sie für immer vorbei!

(Diesen Artikel habe ich vor mehreren Monaten geschrieben und kürzlich für die Veröffentlichung überarbeitet.)

 

In the UK, one in four is affected by a mental health problem. I am neither a doctor nor a scientist, but I assume a link between mental issues and the fact that children are handed over to governmental institutions at an early age.

As a mother of seven children, I experience how much children need their mother and father. In England children are already sent to school at the age of four or five (in other countries children start school at six or seven). I think it’s just too early! I have the impression that several children are sad and overwhelmed because they are exposed to a system that cannot replace the unique bond and love of a mother and father, something essential a child needs at this vulnerable age. There are also scientists who prove how important this bonding is.

A deficit in early childhood

Small children don’t need lots of other children around them, like at school. They also don’t receive enough guidance, attention, warmth, love and freedom to play, when separated from home. The younger the child, the more important the mother-child bond. By entering school so early, this bond is interrupted for the greater part of the day and week. The child is left with a deficit that cannot be replaced, and this could come up as a mental disturbance during adulthood.

Even before entering school, several parents hand their child over to nurseries or preschools. Outward circumstances urge them to do so: A single worker’s wage is usually not enough to support a family, since living costs are very high. In such cases both parents feel forced to go to work. Besides that, the state attracts parents to hand over their children by offering free child care outside of home.

In town I regularly see disturbed people. Some are on the streets, sleeping rough; some spend the day in the Central Library in front of a computer screen. Some tend to talk to themselves and have neglected their outward appearance. Are these people who have been taken away too early from their mums? Are these, amongst other things, the negative results of early institutional nursing and schooling?

A chain reaction that draws wide circles

But those aren’t the only ones with problems. In our living area there are people who leave their lights on through the whole night. For fear of burgulars or of darkness? Something what usually only occurs at young children. But even more obvious are the numerous fallen apart relationships and separated families everywhere. Is this a sign that people are becoming always less capable of bonding? A chain reaction that has its origin in early childhood and is drawing always wider circles?

Nine – the ideal age for entering school?

At the age of four and five – UK school age – my children are still attached to their mum. The whole day they want to show me something, cuddle up at me and learn and play at my side.

That’s why I recommend not to hand over children at an early age. Due to the positive experience with our son, who entered a Catholic school last summer (his seven year old sister didn’t want to go to school anymore after a three week trial period), I even feel tempted to state, if school comes in question, that nine years is the ideal age for entering school. Enjoy the time with your child at home. Soon it will be over forever!

(This article I wrote several months ago, and have now revised it for publication.)

2 Kommentare

  1. Ich finde das englische Schulsystem mit dem frühen Druck und der frühen Einschulungszeit ganz verrückt! Das ist überhaupt nicht kindgerecht, und diese Kinder zeigen das auch durch sehr auffällige Verhaltensstörungen. Ich habe noch nie ein Land mit so vielen lauten und auffälligen Kindern gesehen. Das habe ich schon vor 14 Jahren gedacht, als wir zum ersten Mal drei Monate in London verbracht haben. Diese Kinder tun mir so leid!

    • Danke, Eva! Leider besteht in der Schweiz auch eine Tendenz, das Schuleintrittsalter nach unten zu drücken. So hat man den Kindergarten auf “Vorschule” umbenannt und zur Pflicht gemacht.

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